Der Sun Fire X2200 M2 Server ist der z. Z. leistungsstärkste und energiesparendste Vier-Wege-x64-Server von Sun:

Aktuelles Thema: SunFire X2200 M2 im Kurztest

Auf den Produktseiten der SunFire X2200 M2 (siehe www.sun.com/servers/x64/x2200/ findet man einige Superlative hinsichtlich Performance und Energieeffizienz. Das schafft nicht immer Klarheit, hat uns aber in diesem Fall doch neugierig gemacht. Nachfolgend ein Kurzbericht über unsere ersten Erfahrungen.

Gehäuse | Wartung | ALOM | Remote Management | Storage Cluster + OS | Disk Performance | Integer Performance | Fazit

Das Gehäuse

Angenehm beim Einbau: Es wird nur eine Höheneinheit benötigt. Auch das Metallgehäuse macht einen durch und durch soliden Eindruck. Leicht abbrechende Plastikteile (Blenden, Türen etc.) sind nicht aufgefallen. front.jpg

Auch die Rückseite ist aufgeräumt. Sie bietet folgende Schnittstellen bzw. Steckplätze:
rear.jpg
  • 4 x Ethernet (10/100/1000)
  • 1 x seriell DB9
  • 2 x PCI-Express mit niedriger Bauhöhe (Riser Card)
  • 4 x USB 2.0
  • ALOM (seriell und Ethernet)

Wartung


Das Gehäuse lässt sich sehr einfach und ohne Werkzeuge öffnen. Und wie wir es bei Sun gewohnt sind, finden sich auf und unter der Abdeckung Skizzen, die die wichtigsten Handgriffe veranschaulichen. Etliche Teile, so z. B. Lüfter und Stromversorgungen lassen sich ebenfalls ohne Werkzeug tauschen.
cover.jpg cover_open.jpg
Etwas unpraktisch gestaltet sich die Installation des CD/DVD-Laufwerkes. Dazu musste die Abdeckung abgenommen und das Laufwerk eingeschoben werden, damit es mit dem IDE Kabel verbunden werden kann. Festplatten lassen sich ohne Öffnen der Abdeckung stecken, ein ähnliches Prinzip wäre auch für das DVD-Laufwerk wünschenswert (und ist bei anderen Sun-Servern auch so realisiert).

Der ALOM

Einstellungen:
Initial muss die Netzwerkadresse des ALOM unter Zuhilfenahme eines seriellen Kabels eingestellt werden. Das Kommando

tip hardwire
sollte eine Verbindung mit dem ALOM herstellen können, eine passende /etc/remote Einstellung vorausgesetzt (für hardwire, 8 Data Bit, no parity, 1 Stop Bit, 9600 Baud, Flow Control Hardware/Software aus, Hilfe: man tip; man remote).

Connect:
Kabel anschließen, einloggen (Kennwort: root, PWD: changeme) und Netzwerkparameter setzen:

set /SP/AgentInfo DhcpConfigured=disable
set /SP/AgentInfo NetMask=netmask
set /SP/AgentInfo Gateway=gateway
set /SP/AgentInfo IpAddress=ipaddress

Ist dies geschehen, erreicht man die rechts abgebildete Hardware-Managementkonsole mit einem Webbrowser. Ebenso ist eine ssh Session möglich,

	ssh -l root ipaddress

in diese ist schnell ein

	SP> start /SP/AgentInfo/console

eingegeben, das uns auch sofort zur "Konsole" bringt. Zu dem speziellen Thema "Konsole" lesen Sie bitte den Abschnitt "Remote Management"

 
alom.jpg

web.jpg

OS Installation
Da sich auf unseren Platten kein vorinstalliertes Solaris befand, mussten wir auf die Remote Management Möglichkeiten der X2200 zurückgreifen.

Die Installation von DVD über den seriellen Anschluss zu verfolgen, war leider nicht möglich, da die Bildschirmausgabe mit dem Booten von DVD zum VGA Ausgang umgeleitet wird. Sehr schön zu verfolgen war die Installation allerdings über den Webbrowser, welcher sogar den Teil darstellen konnte, der uns über die Konsole versagt blieb.

Dummerweise endete der Click auf den "Launch" Knopf, welcher eine Java Remote Console starten sollte, die vielleicht auch den VGA Ausgang hätte darstellen können, stets mit einem Browserabsturz (Solaris + Mozilla) und dem dringenden Wunsch unsererseits, die Installation mit direkt angeschlossenem Bildschirm & Keyboard & Mouse fortzusetzen.

Remote Management

Ein Kritikpunkt ist die Remote Management Funktionalität. Sie ist im Vergleich zu Sparc Systemen sehr rudimentär und umständlich. Es gibt zwar ein nett anzusehendes Webinterface und eine tolle Java Remote Desktop Lösung; aber um die Maschine ein- oder auszuschalten bzw. zu rebooten auf der Kommandozeile ein

set /SP/SystemInfo/CtrlInfo PowerCtrl=on|off|reset

eingeben zu müssen, ist nicht sehr anwenderfreundlich. Ebensowenig das (Achtung Großschreibung) und nicht zuletzt kryptische

start /SP/AgentInfo/console

um auf die Konsole zu gelangen und anschließend zu sehen, dass man bis auf wenige BIOS-Ausgaben beim Einschalten nichts (keinerlei Konsole Ausgaben) sieht, geschweige denn sich auf der Konsole einloggen könnte.

Da es sich bei der X2200 um ein System mit AMD Prozessoren handelt und die X86-Welt sich der IPMI (Intelligent Platform Management Interface) verschrieben hat, wird alles "viel" einfacher mit dem Paket SUNWipmi (/usr/sfw/bin/ipmitool).

ipmitool -H "ipaddress" -I lanplus chassis status
ipmitool -H "ipaddress" -I lanplus chassis power off
ipmitool -H "ipaddress" -I lanplus chassis power on
Sollte Ihnen der Schalter '-I lan' von älteren Opteron Systemen her noch geläufig sein, '-I lanplus' ist für IPMI Version 2.0 das Interface der Wahl.

Installation und Test OSL Storage Cluster

Wie erwartet, war die Software in 3 Minuten installiert und lief sofort. Ein erster Blick mit dem Tool ndinfo zeigte denn auch 2 CPUs mit ingesamt 4 Cores (v)CPUs an:

# ndinfo
...
CPU licence units:   3
number of (v)CPU's:  4
number of cores:     4
number of chips:     2
CPU  ISA:            amd64
CPU Type:            i386
FPU Type:            i387 com
CPU Clock (MHz):     2211
main memory (MByte): 4095
...

Ein Blick mit mpstat zeigt uns eine detaillierte Statistik der 4 für das Betriebssystem sichtbaren (virtuellen) CPUs:

# mpstat
CPU minf mjf xcal  intr ithr  csw icsw migr smtx  srw syscl  usr sys  wt idl
  0   42   1   35  1304  722  899    0    3   11    0   924    0   4   0  96
  1   18   1   32   364    4  644    0    3   11    0   645    0   1   0  99
  2   31   1   66  1857 1372  936    0    3   13    0  1021    0   2   0  98
  3   16   0   25   135    5  187    0    2   10    0   271    0   1   0  99

IO-Performance interne Platten

Ein flüchtiger zweiter Blick galt der IO-Performance auf den internen Platten. Das Diagnosetool dksetup des OSL Storage-Clusters zeigt uns 2 SATA-Platten an zwei internen Controllern c1 und c2 an:i

# dksetup -t
Please wait while examining disk entries . . .
symbolic controller no. 1, hw-no. 2, IDE, driver: ide, flags: 0x08
    c1d0|cmdk(    0/    0)|                          |             |0/238441MB
symbolic controller no. 2, hw-no. 3, IDE, driver: ide, flags: 0x08
    c2d0|cmdk(    1/    0)|                          |             |0/238449MB
In beiden Fällen (Lesen von einer und von beiden Platten zugleich) erreichten die Platten jeweils gut 60 MByte/s, mit 2 Platten also 120 MByte/s, was durchaus unseren Erwartungen entsprach und vergleichbar mit anderen Systemen ist:
# dd mit 64k (Lesen, eine interne Platte)
SunOS sun1 5.10 Generic_118822-25 sun4v    06/09/2006
13:31:20   device        %busy   avque   r+w/s  blks/s  avwait  avserv
           cmdk1            99     1.0    1000  128038     0.0     1.0

# dd mit 64k (Lesen, beider interner Platten)
SunOS sun1 5.10 Generic_118822-25 sun4v    06/09/2006
13:51:04   device        %busy   avque   r+w/s  blks/s  avwait  avserv
13:51:09   cmdk0            99     1.0    1026  131298     0.0     1.0
           cmdk1            99     1.0    1013  129713     0.0     1.0

Integer-Performance

Interessant bezüglich der Integer Performance war der direkte Vergleich mit einer SunFire V20z. Immer wieder neugierig ist man auch auf das konkrete Ausmaß des x86-typischen Leistungseinbruchs bei 64-Bit-Operationen.

Für Klarheit sollte der im OSL Storage Cluster integrierte RIP-Benchmark sorgen. Er liefert eine Bezugsgröße ausschließlich zur Beurteilung der Integer-Performance, und zwar getrennt nach 32 und 64 Bit. Die Skalierung im Multiprocessing kann ebenfalls beurteilt werden. Weitere Details zum RIP-Benchmark finden sie hier.

Nachfolgend eine Übersicht der Ergebnisse im Vergleich zu einer SunBlade 150, einer V20z mit 2 CPU sowie zu einem aktuellem Sparc T2000 System. Weitere Systeme finden Sie auch in folgender Übersicht.

Für die Multi-Process-Messwerte gibt die Spalte Procs an, mit wievielen Prozessen die maximale Gesamt-Performance erreicht wird.

Hersteller/Modell CPU Single Process Multi Process
Typ Takt (MHz) Anzahl RIP32 RIP64 RIPmix Procs RIP32 RIP64 RIPmix
Sun SunBlade 150 UltraSPARC IIi 650 1 4,00 3,02 3,47 1 4,00 3,02 3,47
Sun SunFire T2000 UltraSPARC T2 1000 1 3,71 4,05 3,88 32 53,71 53,50 53,60
Sun SunFire V20z AMD Opteron 244 2191 2 14,15 9,96 11,88 2 28.30 19,77 23,65
Sun SunFire X2200 AMD Opteron 2214 2211 2 14,48 10,04 12,06 4 56,61 39,23 47,12

Bitte beachten Sie, dass die Tabelle die Systeme nicht vollständig beschreibt und sich je nach Konfiguration z. T. deutlich abweichende Werte ergeben können. Es ist für keines der Systeme eine besondere Kompilation des Benchmarks verwendet worden. OSL weist ausdrücklich darauf hin, dass damit Konsistenz und Fairness der Benchmarks nicht garantiert sind. Eine Verwendung der Werte außerhalb der Clustermechanismen von OSL Storage Cluster ist nur zu persönlichen Zwecken gestattet. Jede andere Verwendung - insbesondere für Wettbewerbsvergleiche - weicht von der Zielsetzung des Benchmarks ab und ist nur im Ausnahmefall mit vorheriger schriftlicher Genehmigung durch OSL zulässig. Von den jeweiligen Herstellern autorisierte andere Benchmarks mit einer exakten Beschreibung der Systemkonfiguration und der Testbedingungen finden Sie z. B. unter http://www.spec.org.

Als Ergebniss lässt sich zusammenfassen:

  • Die Integer-Performance mit einem einzelnen Thread unterscheidet sich nur marginal von der SunFire V20z und ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf die etwas höhere Taktung zurückzuführen.
  • Die X2200 erreicht ihre maximale Performance wie erwartet bei 4 Prozessen.
  • In der 32-Bit-Performance kann die X2200 sogar das Vergleichssystem T2000 knapp schlagen, fällt bei 64Bit-Operationen allerdings deutlich ab.

  • Insgesamt für ein System mit einer HE eine respektable Gesamtleistung (RIPmix).
Ein genauerer Blick auf die Skalierung zeigt folgendes Verhalten:
RIP32 mit 1 processes:           14.48
RIP32 mit 2 processes:           28.63
RIP32 mit 4 processes:           56.61
RIP32 mit 8 processes:           56.61
RIP64 mit 4 processes:           39.23
 RIP ^
  60 |
     |   -   -                       
  50 |
     |               
  40 |
     |
  30 |
     | -      
  20 |       
     |-   
  10 | 
     |
     O---------|---------|----->
               10        20   Prozesse    

Das System skaliert bei 32Bit Operationen bis zu 4 Prozessen sehr gut und ist mit 8 Prozessen ebenso schnell.

Fazit

Im Vergleich zu der SunFire V20z (2 Kerne auf 2 Chips) zeigt die SunFire X2200 die doppelte Performance (4 Kerne auf 2 Chips).
Daraus lässt sich ableiten, dass die 2 Kerne pro CPU tatsächlich die doppelte Leistung zu erbringen vermögen.

Bei 64-Bit-Operationen muß sich auch dieses System vergleichbaren Sparc-Maschinen geschlagen geben.

Bezieht man die kompakte Bauweise (nur 1 HE) und den vom Marketing versprochenen niedrigen Stromverbrauch mit in die Betrachtung ein,

ist klar, dass die SunFire X2200 Beachtliches leistet und sich - je nach Einsatzgebiet - u. U. mit 4-CPU Systemen herkömmlicher Bauart messen kann. Wer also eine geeignete Anwendung für Solaris auf x86 hat ...



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