Aktuelles Thema: Die Primergy RX100 S5 im Kurztest

Hauptsächlich zur Verwendung als Vorführgeräte auf Messen sollten zwei kleine und geräuscharme x86-Rack-Server angeschafft werden. Die Wahl fiel dabei auf die neue Primergy RX100S5 aus dem Hause Fujitsu Siemens Computers. Nun sind die Server bei uns angekommen und wir können uns ein wenig Zeit nehmen, sie etwas genauer zu testen.
Welchen Eindruck das System bei uns hinterlassen hat, nachfolgend in aller Kürze:

Gehäuse | Wartung | iRMC | Interne Platten | Storage Cluster + OS | Integer Performance | Fazit

Das Gehäuse

Angenehm beim Einbau: Es wird nur eine Höheneinheit benötigt. Für den Einbau in ein Standardrack wird lediglich ein Schraubenzieher benötigt (welcher nicht im Lieferumfang enthalten ist), um mit jeweils einer Schraube die Schienen im Rack zu fixieren. Die restliche Montage erfolgt problemlos ohne Werkzeug.
Das Metallgehäuse macht einen durch und durch soliden Eindruck. Leicht abbrechende Plastikteile (Blenden, Türen etc.) sind nicht aufgefallen.

Auf der Front befinden sich zwei USB Ports, ein Slimline DVD Laufwerk sowie die beiden SATA Festplatten in einem Hotplug-Wechselrahmen.

Durchaus von Vorteil ist auch die geringe Tiefe des Servers. Mit nur 56cm ist er fast 15 cm kürzer als vergleichbare andere x86-Server. Somit hat man im Rack effektiv mehr Platz für die notwendigen Kabel.
Frontansicht
Hinteransicht Auf der Rückseite fällt auf: Nur ein Netzteil. Redundanz gibt es daher erst mit zwei Servern. Ansonsten beherbergt die Rückseite folgende Schnittstellen bzw. Steckplätze:
  • 2 x Ethernet (10/100/1000)
  • 1 x seriell (nutzbar im System oder als Managementschnittstelle)
  • 1 x VGA
  • 1 x PCIe x8 (Standard oder niedrige Bauhöhe)
  • 1 x PCIe x8 mit niedriger Bauhöhe
  • 2 x USB
  • 1 x Ethernet (10/100) für Remote Management oder als Systemport
  • 2 x PS2 zum Anschliessen von Tastatur und Maus
Die beiden PCIe-Plätze können mit Steckkarten niedriger Bauhöhe belegt werden. In einen Steckplatz kann auch eine Standard PCIe-Karte gesteckt werden.
Ein wenig Rätselraten ist immer angesagt, wenn es gilt, den richtigen Ethernet- bzw. Serviceprozessor-Steckplatz zu identifizieren.

Wartung

cover.gif Das Gehäuse lässt sich sehr einfach und ohne Werkzeuge öffnen. Unter der Abdeckung finden sich Skizzen, die die wichtigsten Handgriffe veranschaulichen. Farbige LEDs auf dem Mainbord helfen einem, einen Defekt schnell zu lokalisieren.
Die eingebauten Lüfter sind trotz ihrer geringen Größe angenehm leise und sind auch unter Last nur selten zu hören. Nur beim Einschalten des Servers ist die volle Lautstärke der Lüfter zu hören, welche aber im Vergleich zu 1HE-Servern anderer Herstellen noch erträglich ist.
Server

Der iRMC

Positiv hervorzuheben ist, dass man kaum mehr ein System ohne Remote-Management-Facility zu Gesicht bekommt. Die Primergy RX100 S5 verwendet einen "Integrated Remote Management Controller".

Der iRMC läßt sich über das BIOS konfigurieren. Ist dies erledigt, kann man über ein Webinterface oder über ein CLI per Telnet/ssh auf den iRMC zugreifen. Das Webinterface ist sehr aufgeräumt. Man kann sich Informationen zum Systemstatus, zur Netzwerkkonfiguration und Event Logs anzeigen lassen. Auch das BIOS kann über das Webinterface bedient werden. Gegen eine Lizenzgebühr lässt sich auch eine Videoumleitung und das Einhängen von entfernten ISO-Images oder Laufwerken realisieren. Diese Möglichkeiten sind in anderen Remote Boards oftmals ohne Zusatzkosten enthalten.

Merkwürdigerweise kann man unterschiedliche Shells für die Benutzer des iRMCs einstellen. Dadurch wird es schwierig, automatische Aktionen der Anwender in Skripten unterzubringen, da man nicht weiß, welche Shell einen erwartet. Aber der iRMC ist komplett IPMI 2.0 kompatibel, somit kann man die wichtigsten Befehle mit dem ipmitool über eine einheitliche Schnittstelle versenden.
Integrated Remote Management Controller Webinterface

Interne Platten

Bis zu 2 Platten lassen sich einbauen. Im Testsystem waren 2 x 160GB-SATA-Festplatten verbaut. Es gibt jedoch auch das gleiche Modell als SAS-Variante mit 2 internen Hot-plug SAS-Festplatten.

Ein flüchtiger zweiter Blick galt der IO-Performance auf den internen Platten. Das Diagnosetool des OSL Storage-Clusters zeigt uns 2 SATA Festplatten an den internen Controllern c0 und c1:
# dksetup -t
Please wait while examining disk entries . . .
symbolic controller no. 0, hw-no. 0, IDE, driver: ide, flags: 0x08
    c0d0|cmdk(    0/    0)|                          |             |0/152601MB
symbolic controller no. 1, hw-no. 1, IDE, driver: ide, flags: 0x08
    c1d0|cmdk(    1/    0)|                          |             |0/152609MB
...
Interessant daher die Frage, ob hier bereits eine Sättigung eintritt: Es wurde also via Lesen mit dd (64k Bocksize) angetestet. In beiden Fällen (Lesen von einer und von beiden Platten zugleich) erreichten die Platten jeweils gut 73 MByte/s, mit 2 Platten also 146 MByte/s:
# dd mit 64k (Lesen, eine Platte)
SunOS big-5 5.10 Generic_127128-11 i86pc    11/18/2008

15:27:12   device        %busy   avque   r+w/s  blks/s  avwait  avserv
10:27:22   cmdk1

# dd mit 64k (Lesen, beide Platten)
SunOS sun1 5.10 Generic_118822-25 sun4v    06/09/2006

15:29:26   device        %busy   avque   r+w/s  blks/s  avwait  avserv
15:29:36   cmdk0            98     1.0    1194  152851     0.0     0.8
           cmdk1            98     1.0    1181  151229     0.0     0.8

Die SATA Festplatten sind in einem Hotplug Wechselrahmen untergebracht. Das Handling beim Austauschen der Platte erweist sich als nicht so angenehm. Der Hebelweg zum Feststecken der Festplatte ist zu kurz und die Handgriffe beim Herausnehmen sind nicht intuitiv.

Seitenansicht

Installation und Test OSL Storage Cluster

Das System kam ohne Betriebsystem bei uns an. Mit der beigelegten CD kann man eine spartanische Programmstarteroberfläche (kein Unix) booten. Über diese lassen sich mit Hilfe von der FSC-Software zum Beispiel das RAID-System einrichten oder der iRMC konfigurieren.

Nun sollte die Maschine einmal in Kontakt mit einem Betriebssystem kommen. Indes: Die Installation von Solaris 10 gestaltete sich als schwieriger als erwartet. Bei der Installation wurde von Solaris das logische RAID1-Device nicht erkannt. Nur mit deaktiviertem RAID-Controller wurden die internen Platten gefunden (diese Option ist im BIOS etwas versteckt) und Solaris ließ sich installieren. Wer trotzdem RAID-Funktionen benötigt, sollte auf die Solaris-Metadevices zurückgreifen. Immerhin wurden die Netzwerkcontroller ohne Probleme erkannt.

Die grafische X/11-Oberfläche startet nicht. Wahrscheinlich würde eine angepasste xorg.conf das Problem beheben, aber für das von OSL benötigte Serversystem ist eine grafische Oberfläche sowieso unnötig.

Der OSL Storage Cluster war wie erwartet in 3 Minuten installiert und lief sofort. Ein erster Blick mit ndinfo zeigt folgende Informationen an:

[root@big-5] ndinfo
DVSC node name:      big-5
OS node name:        big-5
Operating System:    SunOS
OS release:          5.10
hardware vendor:     unknown
hardware serial:     364578142
CPU licence units:   1
number of (v)CPU's:  2
number of cores:     2
number of chips:     1
CPU  ISA:            amd64
CPU Type:            i386
FPU Type:            i387 com
CPU Clock (MHz):     2992
main memory (MByte): 2046
total swap  (MByte): 4102
offline method:      0
offline arguments:   ""

Integer-Performance

Interessant bezüglich der Integer Performance war der direkte Vergleich mit einer SunFire X2200, einem x86-System von SUN, welches auf die Opteron Prozessoren aus dem Hause AMD setzt. Immer wieder neugierig ist man auch auf das konkrete Ausmaß des x86-typischen Leistungseinbruchs bei 64-Bit-Operationen.

Für Klarheit sollte der im OSL Storage Cluster integrierte RIP-Benchmark sorgen. Er liefert eine Bezugsgröße ausschließlich zur Beurteilung der Integer-Performance, und zwar getrennt nach 32 und 64 Bit. Die Skalierung im Multiprocessing kann ebenfalls beurteilt werden. Weitere Details zum RIP-Benchmark finden sie hier.

Nachfolgend eine Übersicht der Ergebnisse im Vergleich zu einer SunFire X2200 und einem HP ProLiant DL585 G1 System (beide nicht mehr ganz brandaktuell). Weitere Systeme finden Sie auch in folgender Übersicht.

Für die Multi-Process-Messwerte gibt die Spalte Procs an, mit wievielen Prozessen die maximale Gesamt-Performance erreicht wird.

Hersteller/Modell CPU Single Process Multi Process
Typ Takt (MHz) Anzahl RIP32 RIP64 RIPmix Procs RIP32 RIP64 RIPmix
FSC Primergy RX100S5 Intel Xeon E3110 2992 1 73,27 27,68 45,03 2 146,54 54,15 89,08
HP ProLiant DL585 G1 AMD Opteron 85s 2600 2 17,06 11,86 14,22 4 67,32 46,13 55,73
Sun SunFire X2200 AMD Opteron 2214 2211 2 14,48 10,04 12,06 4 56,61 39,23 47,12

Bitte beachten Sie, dass die Tabelle die Systeme nicht vollständig beschreibt und sich je nach Konfiguration z. T. deutlich abweichende Werte ergeben können. Es ist für keines der Systeme eine besondere Kompilation des Benchmarks verwendet worden. OSL weist ausdrücklich darauf hin, dass damit Konsistenz und Fairness der Benchmarks nicht garantiert sind. Eine Verwendung der Werte außerhalb der Clustermechanismen von OSL Storage Cluster ist nur zu persönlichen Zwecken gestattet. Jede andere Verwendung - insbesondere für Wettbewerbsvergleiche - weicht von der Zielsetzung des Benchmarks ab und ist nur im Ausnahmefall mit vorheriger schriftlicher Genehmigung durch OSL zulässig. Von den jeweiligen Herstellern autorisierte andere Benchmarks mit einer exakten Beschreibung der Systemkonfiguration und der Testbedingungen finden Sie z. B. unter http://www.spec.org.

Fazit

Bezieht man die kompakte Bauweise, den günstigen Preis und den geringen Stromverbrauch von durchschnittlich 177W mit in die Betrachtung ein, ist klar, daß man mit der RX100 ein gutes x86 System zu einem fairen Preis erhält. Auch die laufenden Kosten sind für diesen Server überschaubar.

Im Gesamtdurchsatz kann Sie sich sehr gut mit anderen aktuellen 1-Sockel-Systemen messen. Bei 64-Bit-Operationen verschlechtert sich bei diesem Server die Integerperformance deutlich. Es sind Leistungseinbußen von über 60% zu erkennen. Das haben wir bei anderen Servern in dieser Größenordnung noch nicht gesehen. Trotzdem ist dieser kleine Server in unserem Benchmark bei Integerberechnungen noch immer schneller als eine (mit Einführung der M3000 nicht mehr aktuelle) Primepower 250.

Wenn auch noch der integrierte RAID-Controller mit Solaris zusammenarbeiten würde, wäre dieser Server sehr gut geeignet für den Einstieg in die x86-Solaris Welt. Aber auch so ist dieses System empfehlenswert. Wer auf einen Support durch FSC verzichtet (Solaris steht für dieses System nicht auf der Liste der unterstützten Betriebssysteme) wird auch mit Solaris Spaß haben. Oder gab es da noch andere Betriebssysteme im RZ?


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